Warum 100 V
Bei konstanter Spannung von 100 V lassen sich viele Lautsprecher parallel an eine lange Leitung hängen, ohne dass Leitungsverluste die Verteilung verfälschen. Jeder Lautsprecher hat einen Übertrager mit wählbarer Anzapfung – 3 W, 6 W, 10 W –, die seine Leistung und damit seinen Pegel festlegt: Jede Verdopplung der Anzapfleistung hebt den Pegel um 3 dB. Die Linienlast ist die Summe aller Anzapfungen auf der Leitung.
Die Leistungsbilanz
- Summe der Anzapfleistungen je Linie bilden – nicht die Nennleistung der Lautsprecher, sondern die tatsächlich gewählte Anzapfung zählt.
- Reserve einplanen: PlanWerke rechnet mit dem Faktor 1,3 und prüft, dass mindestens 20 % Reserve bleiben – ein Planungs-Richtwert für Alterung, Leitungsverluste und Nachrüstung.
- Linienlast begrenzen: Als Richtwert gelten höchstens 500 W je 100-V-Linie; größere Bereiche werden auf mehrere Linien verteilt.
- Die nächstgrößere Verstärkerstufe wählen (übliche Stufen: 60, 120, 240, 360, 480, 600, 1000, 1500, 2000 W).
Beispiel: 38 Deckenlautsprecher mit je 6 W Anzapfung ergeben 228 W Linienlast. Mit Reservefaktor 1,3 sind das 296 W – die nächste Stufe ist ein 360-W-Verstärker mit rund 37 % Reserve. Eine 100-V-Linie hängt an einem Verstärkerkanal; übersteigt die Linienlast mit Reserve dessen Nennleistung, muss die Linie geteilt werden.
Ausfallsicherheit: Linien je Bereich, A/B-Verkabelung
100-V-Linien werden je Alarmierungs- bzw. Beschallungsbereich gebildet, nie bereichsübergreifend – sonst lässt sich ein Bereich nicht getrennt ansteuern. Lautsprechergruppen brauchen eine eigene Bedienung und Anzeige; Räume, die im Räumungsfall als Aufenthaltsräume dienen, bekommen separate Stromkreise. Für redundante Beschallung sieht die Norm die A/B-Verkabelung vor: zwei rückwirkungsfreie Lautsprecherkreise im selben Bereich, sodass bei Ausfall einer Linie die andere weiter versorgt; Verstärkerausfälle fängt ein Havarieverstärker oder ein Reservekanal ab. In Ringleitungstechnik trennen Loop-Isolator-Module (EN 54-17) einen Kurzschluss auf ein Segment ein.
Zentrale und Notstrom
Die Sprachalarmzentrale muss nach EN 54-16 zugelassen sein; moderne Verstärker arbeiten in Klasse D mit hohem Wirkungsgrad. Die Notstromversorgung nach EN 54-4 bemisst sich aus den Ruhe- und Alarmströmen der konkreten Geräte – Werte, die nur das Datenblatt liefert. PlanWerke legt Linien und Verstärker aus, rechnet die Akkukapazität der SAA aber bewusst nicht mit erfundenen Werten, sondern benennt den Punkt für die Fachplanung.
Reservefaktor, Linienlast-Grenze und Verstärkerstufen sind Planungs-Richtwerte, keine Normwerte. Maßgeblich für die Ausführung sind die Datenblätter von Zentrale, Verstärkern und Lautsprechern (EN 54-16/-24) und die Projektierung des Herstellers.
Planungsorientierung: Alle Werte folgen den Vorgaben der genannten Normen und dienen der normorientierten Planung. Ergebnisse sind Planungsunterlagen zur fachplanerischen Prüfung – keine Konformitäts- oder Abnahmeaussage.
Häufige Fragen
Wie berechne ich die Verstärkerleistung einer 100-V-Linie?
Anzapfleistungen aller Lautsprecher der Linie addieren, mit einem Reservefaktor (PlanWerke: 1,3) multiplizieren und die nächstgrößere Verstärkerstufe wählen. Eine Linie hängt an einem Kanal, dessen Nennleistung die Last mit Reserve tragen muss.
Warum dürfen Linien nicht über mehrere Bereiche laufen?
Weil jeder Alarmierungsbereich getrennt angesteuert und angezeigt werden muss – im Räumungsfall werden Bereiche gezielt beschallt. Eine bereichsübergreifende Linie würde das verhindern.
Was bringt die A/B-Verkabelung?
Zwei unabhängige Lautsprecherkreise im selben Bereich: Fällt eine Linie aus, versorgt die andere weiter – ohne vollständige Beschallungslücke. Verstärkerausfälle deckt zusätzlich ein Havarie- oder Reservekanal ab.